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KI & Automation
Arbeitsrecht

„Nur ich weiß, wie meine Leute am besten arbeiten“: Warum das für Automatisierung spricht, nicht dagegen

Der stärkste Einwand gegen automatische Dienstplanung ist gleichzeitig ihr bester Anwendungsfall. Dein Wissen darüber, wer mit wem funktioniert, geht nicht verloren, wenn du es automatisierst. Es wird zum ersten Mal für alle nutzbar, nicht nur an den Tagen, an denen du selbst planst.

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Maurice, Gründer Team Director

06. August 20268 min

Ich habe fünf Jahre lang ein Team geleitet und den Dienstplan gebaut, bevor daraus überhaupt eine Software wurde. Ich kenne den Reflex bei „Automatisierung" also aus erster Hand: Ein Algorithmus weiß nicht, dass die eine Kollegin lieber mit dem erfahrenen Kollegen zusammenarbeitet, weil sie noch eingearbeitet wird. Er weiß nicht, dass zwei Leute sich besser aus dem Weg gehen sollten. Das stimmt. Und genau deshalb ist die Frage nicht, ob du dieses Wissen aufgibst, sondern wie du es in etwas überführst, das auch an einem Tag funktioniert, an dem du selbst nicht planst.

Die kurze Antwort

Ein Algorithmus, der ohne deine Regeln plant, ist nutzlos, das stimmt. Ein Algorithmus, der mit deinen Regeln plant, macht automatisch, was du bisher manuell gemacht hast, nur konsequenter, schneller und ohne dass es an deine persönliche Anwesenheit gebunden ist. Der Unterschied liegt nicht in „Mensch gegen Maschine", sondern darin, ob dein Wissen nur in deinem Kopf existiert oder auch dann noch angewendet wird, wenn du im Urlaub bist.

Was naive Automatisierung falsch macht

Die berechtigte Skepsis gegen „KI-Dienstplanung" kommt meistens aus echter Erfahrung mit einfachen Tools: Schichten werden gleichmäßig verteilt, ohne Rücksicht auf Erfahrung, Qualifikation oder wer mit wem gut zusammenarbeitet. Das Ergebnis sieht vollständig aus, ist aber in der Praxis unbrauchbar, und die Führungskraft korrigiert am Ende doch alles von Hand. Das ist nicht hilfreich, das ist Zufall mit Kalender-Optik.

Was Planungseinschränkungen tatsächlich sind

Der eigentliche Unterschied liegt in einem einzigen Konzept: Regeln, die zwischen „nicht verhandelbar" und „möglichst einhalten" unterscheiden. In der Planungstheorie nennt man das harte und weiche Einschränkungen, und genau diese Unterscheidung ist es, die dein Wissen als Führungskraft überhaupt erst maschinenlesbar macht.

  • Harte Einschränkungen dürfen nie verletzt werden: Ruhezeiten nach ArbZG, erforderliche Qualifikation für eine Schicht, maximale Wochenstunden, Doppelverplanung derselben Person, etc.
  • Weiche Einschränkungen sollen möglichst eingehalten werden, dürfen aber im Zweifel weichen: bevorzugte Teampaarungen, faire Verteilung von Wochenend- und Spätschichten, individuelle Wünsche, etc.

Genau in der zweiten Kategorie steckt dein persönliches Wissen. „Die neue Kollegin sollte in den ersten vier Wochen nicht allein mit der Spätschicht stehen" ist keine Bauchentscheidung mehr, sobald du sie einmal als Regel hinterlegst. Sie wird zu einem Kriterium, das bei jeder Planung automatisch berücksichtigt wird, auch an dem Tag, an dem eine andere Person den Plan erstellt.

5–10 %

So viel Personalkostenersparnis berichten Betriebe laut mehreren Branchenquellen durch präzisere Bedarfsplanung und weniger Über- oder Unterbesetzung, hauptsächlich weil Regeln konsequenter angewendet werden als bei rein manueller Planung.

Was sich für dich als Planer wirklich ändert

KriteriumExcelSoftware
Wo dein Wissen gespeichert istNur in deinem KopfAls Regel im System, jederzeit abrufbar
Was passiert, wenn du nicht planstJemand anderes muss dein Wissen erratenDeine Regeln gelten unabhängig davon, wer plant
Konsistenz über die ZeitHängt vom Tagesgefühl ab, unter Stress ungenauerWird jedes Mal gleich angewendet
AnpassbarkeitÄnderung nur, wenn du selbst daran denkstRegel einmal anpassen, gilt sofort für alle Pläne

Der eigentliche Punkt

„Nur ich weiß, wie meine Leute am besten arbeiten" ist kein Grund gegen Automatisierung. Es ist der Grund, warum dein Wissen zu wertvoll ist, um es an eine einzelne Person zu binden. Ein Regelwerk, das du einmal aufstellst und danach nur noch weiterentwickelst, macht aus deiner Erfahrung etwas, das dem ganzen Betrieb dauerhaft zur Verfügung steht, nicht nur an den Tagen, an denen du selbst am Schreibtisch sitzt.

Kurz gesagt

Automatisierung ersetzt nicht dein Urteilsvermögen. Sie ist der einzige Weg, es zu skalieren, über mehrere Standorte, über Krankheitstage, über den Tag hinaus, an dem du Mal vier Wochen im Urlaub sein willst oder in Rente gehst. Was du bisher im Kopf gemacht hast, wird nicht überflüssig. Es wird zum ersten Mal wiederholbar.

Häufige Fragen

Kann eine Software wissen, wer im Team gut zusammenarbeitet?

Nur, wenn du es ihr sagst. Als weiche Planungseinschränkung hinterlegt, berücksichtigt der Algorithmus solche Regeln bei jeder Planung automatisch, unabhängig davon, wer den Plan gerade erstellt.

Was ist der Unterschied zwischen harten und weichen Planungseinschränkungen?

Harte Einschränkungen dürfen nie verletzt werden, etwa gesetzliche Ruhezeiten oder Qualifikationsanforderungen. Weiche Einschränkungen sollen möglichst eingehalten werden, können im Zweifel aber weichen, etwa Wunschzeiten oder bevorzugte Teampaarungen.

AutomatisierungAlgorithmusPlanungsregeln

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